Einleitung

Wer sein Smart Home wirklich automatisieren möchte, kommt irgendwann an einen Punkt, an dem klassische Bewegungsmelder einfach nicht mehr ausreichen.

Ein PIR-Bewegungsmelder kann ziemlich zuverlässig feststellen, dass sich gerade jemand bewegt. Sitzt man aber längere Zeit am Schreibtisch, auf dem Sofa oder Toilette, kann es durchaus passieren, dass das Smart Home irgendwann der Meinung ist, der Raum wäre leer.

Genau hier kommen mmWave-Präsenzsensoren ins Spiel.

Mit dem FP2 hat Aqara bereits seit einigen Jahren einen ziemlich interessanten Sensor im Portfolio. Jetzt ist mit dem Aqara Spatial Multi-Sensor FP400 ein neues Modell verfügbar, das vor allem technisch einige interessante Änderungen mitbringt.

Statt WLAN setzt Aqara jetzt auf Zigbee und Matter over Thread. Gleichzeitig kann der Sensor laut Hersteller bis zu zehn Personen gleichzeitig erfassen, Räume in mehrere Bereiche unterteilen und beispielsweise unterscheiden, ob sich jemand am Esstisch oder auf dem Sofa befindet.

Zum Zeitpunkt dieses Artikels habe ich den FP2 schon länger im Einsatz und möchte hier prüfen, ob sich ein Umstieg lohnt oder nicht.

Was ist der Aqara FP400?

Der FP400 ist kein klassischer Bewegungsmelder, sondern arbeitet mit einem 60-GHz-mmWave-Radar. Ein klassischer PIR-Sensor erkennt vor allem Veränderungen der Wärmestrahlung innerhalb seines Erfassungsbereichs. Das funktioniert hervorragend, solange sich eine Person bewegt.

Ein mmWave-Radar kann dagegen auch wesentlich kleinere Bewegungen erfassen. Dazu gehören beispielsweise Bewegungen des Oberkörpers oder andere minimale Veränderungen, die auftreten, obwohl eine Person praktisch still auf dem Sofa sitzt.

Aqara verwendet beim FP400 ein 4T4R-MIMO-Radarsystem. Laut Hersteller werden damit mehr als fünfmal so viele Point-Cloud-Daten wie bei der vorherigen Generation erfasst. Der Sensor soll dadurch Personen besser voneinander unterscheiden und gleichzeitig Störquellen wie Haustiere oder Saugroboter besser herausfiltern können. Wenngleich ich damit bisher auch nur selten Probleme hatte.

Bis zu zehn Personen und acht Zonen - Kurzer Vergleich zwischen Aqara FP2 und Aqara FP400

Eine der wichtigsten Funktionen des FP400 (und auch des Aqara FP2) ist die räumliche Erkennung.

Aqara teilt den erfassten Bereich intern in ein Raster mit 320 Feldern beziehungsweise 0,5 × 0,5 Meter großen Bereichen auf. Daraus können bis zu acht eigene Zonen erstellt werden. Gleichzeitig soll der FP400 bis zu zehn Personen beziehungsweise Ziele (bisher waren es mit dem FP2 "nur" 5 Personen abewr dafür 30 Zonen!)verfolgen können.

Gerade bei offenen Wohnbereichen (wie meinem mit Arbeitsbereich, Mediacenter, Wohnzimmer und Küche) nutzen die Zonen. In meinem Fall zur Media und Lichtsteuerung. Sobald man sich bewegt wird in Homeassistant z.B. occupied = true für jede entsprechende Zone gemeldet.

Ein weiterer Unterschied besteht in der Entfernungserkennung. Während der Aqara FP2 "nur " 8x6m erkennt (120 Grad Horizontal und 40 Grad Vertikal), kann der Aqara FP400 10x8m erkenntn mit 120 Grad horizontaler und 100 Grad vertikaler Abdeckung erreichen.
In meinem Fall ist das durch die Platzierung durchaus praktisch. Mein FP2 steht auf einem Satellitenlautsprecher an der Wand und erkennt daher derzeit direkt vor sich nichts. Das ändert sich mit dem FP400.

Ansonsten gibt es als einzigen wichtigen Unterschied noch die Anbindung. Der FP2 arbeitet mit WLAN, der FP400 auf Basis von Thread / ZigBee3.0.

Homeassistant...

Das wichtigste ist für mich die Anbindung... Bei mir gibt es die Regel ohne (lokales) Homeassistant, ohne mich.
Der Aqara FP2 kann per lokaler WiFi Anbindung nach der Konfiguration in der App lokal mit Homeassistant sprechen.

Der Aqara FP400 kann durch ZigBee mit jedem kompatiblem System sprechen. Daher dürfte eine Anbindung deutlich einfacher sein. Einziges Problem ist die definition von Präsenzzonen.
Jedoch soll die Verwendung von Thread Drittsystemen funktionieren, incl. der Konfiguration von Zonen. Ob das mit meinem Homeassistant ZBT-2 ebenfalls funktioniert, werde ich noch nachtragen.

Fazit - muss man wechseln?

Sofern der FP2 bereits angeschafft ist und ausreicht, sollte man diesen in keinem Fall für den FP400 austauschen, ausser man benötigt die deutlich bessere Erkennung im vertikalen Bereich.
Beim Neukauf würde ich (ausser man benötigt die 30 Zonen) immer auf den FP400 gehen.