INFO: Ich habe die Dockingstations beide privat gekauft. Es hat keine Kommunikation mit den Herstellern stattgefunden.

Wer ein MacBook mit mehreren externen Monitoren betreiben möchte, landet schnell bei DisplayLink-Dockingstations. Gerade beim MacBook Air ist DisplayLink interessant, weil sich damit mehr Displays betreiben lassen, als Apple nativ vorsieht.
Ich denke alle solten sich einig sein, dass DisplayLink an sich keine gute Technologie ist und JEDER der die Möglichkeit hat Thunderbolt zu nutzen, sollte dies tun!
Aber Apple wäre nicht Apple, wenn sie einem nicht das Leben schwer machen - die höheren Displaykonfigurationen werden bei Apple erst ab den MAX Chips bzw. ab dem M5 bereits ab dem Pro Chip.

Mehr zu den Limitierungen von Apple zu den Displaykonfigurationen kann man hier nachlesen: https://support.apple.com/de-de/101571

Ich habe deshalb zwei vergleichsweise umfangreich ausgestattete Dockingstations im Alltag getestet:

Anker Prime Docking Station, 14-in-1, Triple Display mit DisplayLink

WAVLINK WL-UG63PD13Pro

Beide versprechen drei externe Monitore, zahlreiche USB-Anschlüsse und die Möglichkeit, das Notebook gleichzeitig über USB-C mit Strom zu versorgen.
Auf dem Papier sind sich die Geräte damit relativ ähnlich.

Im tatsächlichen Betrieb an meinem MacBook Air M4 zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede.

Mein Testaufbau

Getestet wurden beide Dockingstations unter identischen Bedingungen.

Als Notebook kommt ein MacBook Air M4 zum Einsatz. Daran angeschlossen sind zwei Full-HD-Monitore mit 1.920 × 1.080 Pixeln, sowie 1x 2560 x 1080 Pixeln:

1 × 75 Hz

2 × 60 Hz

Zusätzlich muss per USB noch eine Webcam (Insta360 Link2).
Damit handelt es sich eigentlich um keine außergewöhnlich anspruchsvolle Display-Konfiguration. Zwei Full-HD-Monitore und ein Quad HD Monitor liegen deutlich unterhalb der maximal beworbenen Auflösungen beider Dockingstations.

Gerade deshalb waren die Ergebnisse interessant.

Die beiden Geräte im Vergleich

Die beiden Geräte bewegen sich in jeweils unterschiedlichen Preisklassen. Die Anker Prime dürfte als Mittel- / Oberklassegerät durchgehen, während sich das WAVLINK System eher zu den günstigen gesellt. Entsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass die beiden Geräte unterschiedliche Spezifikationen haben:

  • Anker Prime 14 in 1:
    • DisplayLink: Ja
    • Maximale Displays: 3
    • HDMI: 2x
    • DisplayPort: 1x
    • Max. Auflösung: 8K an einem Display
    • Max. USB Übertragungsrate: 10Gbits/s
    • USB Anschlüsse:
      • Typ A: 3x (hinten)
      • Typ C: 3x Vorne (2x 10 Gbit/s, 1x 5Gbit)
    • Ethernet: 1x 2,5Gbit/s
    • Kartenleser: SD & MicroSD
    • Audio: 3,5mm
    • Max. Ladeleistung (Notebook): 140W
    • Besondere Features:
      • Display im Dock
      • Aktive Kühlung
  • WAVLINK UG63
    • DisplayLink: Ja
    • Maximale Displays: 3
    • HDMI: 3x (Bei 2 Monitoren kann man wählen zwischen DP und HDMI. Der dritte Monitor muss imme rüber HDMI angeschlossen werden)
    • DisplayPort: 2x
    • Max. Auflösung: 1x 4K60 + 2x 2K60
    • Max. USB Übertragungsrate: 10Gbits/s
    • USB Anschlüsse:
      • Typ A: 2x hinten (zusammen max. 5Gbit/s), 1x vorne (5 Gbit/s)
      • Typ C: 2x Vorne (2x 10 Gbit/s)
    • Ethernet: 1x 1Gbit/s
    • Kartenleser: SD & MicroSD
    • Audio: 3,5mm
    • Max. Ladeleistung (Notebook): 100W
    • Besondere Features: Keine

Anker gibt für die Prime Docking Station insgesamt 14 Anschlüsse an. Dazu gehören zwei HDMI-Ausgänge, ein DisplayPort, drei USB-C-Datenanschlüsse, drei USB-A-Anschlüsse, 2,5-Gbit-Ethernet sowie Audio-, SD- und microSD-Anschlüsse. Das Notebook kann über den Upstream-Port mit maximal 140 Watt geladen werden.

WAVLINK setzt beim WL-UG63 auf insgesamt 15 Anschlüsse. Auffällig sind insbesondere drei HDMI- und zwei DisplayPort-Buchsen. Allerdings können diese nicht als fünf unabhängige Display-Ausgänge verstanden werden. Man muss sich bei den Displayports Anschlüssen immer entscheiden, ob man HDMI oder DP nutzen will.
Beide Systeme setzen aber auf

DisplayLink: Thunderbolt auf Wish bestellt...

DisplayLink ist keine klassische direkte Bildausgabe wie HDMI, DisplayPort oder Thunderbolt. Stattdessen wird das Bild auf dem Computer zunächst softwareseitig verarbeitet, komprimiert und anschließend als Datenstrom über USB an einen DisplayLink-Chip in der Dockingstation übertragen. Dieser Chip erzeugt daraus wieder ein normales HDMI- oder DisplayPort-Signal für den Monitor. Der große Vorteil: Dadurch können auch Geräte zusätzliche Monitore ansteuern, die nativ eigentlich weniger Displays unterstützen – beispielsweise bestimmte MacBook-Modelle, wie dem Air.
Der Nachteil ist allerdings, dass dabei zusätzliche Rechenarbeit, Kompression und Latenz entstehen. Bei normalen Office-Anwendungen fällt das häufig kaum auf, bei Gaming, sehr schnellen Bildbewegungen, professioneller Videoarbeit, HDR oder hohen Bildwiederholraten kann eine direkte Thunderbolt- beziehungsweise DisplayPort-Verbindung jedoch deutlich besser sein.
Thunderbolt transportiert DisplayPort-Signale direkt über die Verbindung und benötigt keinen vergleichbaren Software-Umweg über DisplayLink. Dadurch sind Latenz, Bildqualität und Kompatibilität in der Regel besser und die CPU beziehungsweise GPU wird weniger zusätzlich belastet.

Es gibt neben den hier gezeigten Modellen auch günstige DisplayLink Hubs, die man bereits für um die 60€ bekommt - z.B. von ICY BOX.

Der Preisunterschied zwischen sehr günstigen DisplayLink-Adaptern und Dockingstations für 200 oder 300 Euro liegt deshalb meist nicht darin, dass teure Geräte grundsätzlich ein „besseres DisplayLink-Bild“ erzeugen. Wenn beide denselben DisplayLink-Chip und dieselbe Auflösung verwenden, kann die eigentliche Monitoransteuerung technisch sehr ähnlich sein.

Bezahlt wird bei hochwertigen Docks vor allem für die gesamte Infrastruktur drumherum: leistungsfähigere USB-Hubs, stabilere Controller, bessere Spannungsversorgung, 100 oder 140 Watt USB Power Delivery, schnellere Ethernet-Chips, 10-Gbit/s-USB-Ports, SD-Kartenleser, zusätzliche Display-Ausgänge, bessere Kühlung, hochwertigere Gehäuse und teilweise Firmware- oder Managementfunktionen. Ebenso wichtig ist die Auslegung der internen USB-Bandbreite. Bei einem günstigen Dock teilen sich Displays, Webcam, SSD, Ethernet und andere USB-Geräte häufig stärker dieselben begrenzten Ressourcen. Teurere Geräte können diese Last durch bessere Controller und eine aufwendigere Architektur häufig zuverlässiger verteilen. Der Mehrpreis garantiert damit nicht automatisch eine bessere Bildqualität, kann aber einen erheblichen Unterschied bei Stabilität, Ladeleistung, Anschlussvielfalt und gleichzeitiger Nutzung vieler Geräte machen.
Das wird sich weiter unten auch noch bestätigen.

WAVLINK WL-UG63PD13Pro im Alltag

WavLink DisplayLink Dockingstation UG63PD13Pro
WavLink DisplayLink Dockingstation UG63PD13Pro

Das WAVLINK gefällt mir zunächst beim Formfaktor sehr gut.
Ich nutze einen selbst gebauten Schreibtisch und konnte für die Dockingstation einen Halter drucken (einfach einen rechteckigen Rahmen), der das Dock sicher unter meinem Tisch hält.
Ab dann musste ich nur noch meine Mac Books nach Bedarf verbinden und es ging an sich einfach, wenn da nicht noch ein großes aber wäre.
Das Dock kann der vollständigkeit halber auch vertikal stehen, aber für meinen Usecase war der Formfaktor ohne Standfuß (kann man abschrauben) deutlich besser nutzbar.

Leider hatte ich die gesamte Zeit über immer das gleiche Problem:

Immer wieder werden sämtliche Monitore gleichzeitig schwarz.

Das Problem ist deshalb besonders auffällig, weil meine tatsächliche Displaylast deutlich unterhalb dessen liegt, was WAVLINK für das Gerät bewirbt.
Der Hersteller gibt schließlich sogar bis zu ein 4K60- und zwei 2K60-Displays gleichzeitig an.

Drei Full-HD-Monitore sollten damit eigentlich kein Grenzfall sein.
Auf Nachfrage beim Hersteller und eigener Nachforschungen kam raus, dass der Controller anscheinend überlastet war. Der Hersteller schlug vor, dass ich die Frequenz der monitore drossel. Das habe ich dann auch getan, aber auch mit dem minimum was ging (50Hz), wurden die Monitore regelmäßig schwarz.
Entweder einzeln oder alle zusammen.

Auch USB-Geräte machen Probleme. Ich nutze häufiger auch mal Webcams, aber auch diese werden häufig nicht erkannt bzw. der USB Controller stürzt ab und erkennt das Gerät dann erneut.
Besonders nervig war dieses Problem mit der Insta360 Link 2. Diese hat ein eingebautes Gimbal, welches bei jeder neuerkennung einmal alle Endpunkte ansteuert. Das ist dann mitunter alle 5 Minuten geschehen oder die Kamera wurde gar nicht mehr erkannt und hing dann einfach irgendwo.

Ich nutze bereits seit Jahren Dockingstations (bisher immer Thunderbolt, weil ich es konnte), aber diese Dockingstation hat mich wirklich humble gemacht.
Dadurch kam dann auch die Anker Prime - Perfekte Überleitung...

Anker Prime Docking Station im Alltag

Anker Prime DisplayLink Docking Station mit DisplayLink
Anker Prime DisplayLink Docking Station mit DisplayLink

Die Anker Prime fühlt sich von der ersten Sekunde deutlich wertiger an, durch ein DEUTLICH höheres Gewicht (ca. 830 Gramm vs570 bei der WavLink - dazu ist das hauptgewicht im Standfuß, durch eine Metallplatte. Ohne diese wiegt die WavLink gerade so 200 Gramm...).
Der Formfaktr ist nicht so angenehm, wie bei der WavLink für meinen Usecase (unter dem Schreibtisch), aber das ist bei diesem Dock ohnehin nicht möglich (gleich kommt warum...)

Das wichtigste zuerst:
Meine 3 Monitore funktionieren hier bis dato ohne Probleme, wenn ich am arbeiten bin. Es gibt hier und da mal Artefakte (das Bild krieselt, wird "farblos" oder "surrt"), aber das ist auch der Technologie geschuldet. Die Monitore arbeiten aber grundsätzlich sehr stabil, bis auf ein kleines Manko.
Auch meine Webcam funktioniert ohne jedwede Probleme, wird erkannt und stürzt auch nicht mehr ab.

Daher erstmal sehr nice, wenn es nicht ein großes aber geben würde:
Sobald die Anker Prime einmal läuft, läuft sie ohne Probleme, aber dahin zu kommen ist morgens manchmal ein Akt. Während die WavLink morgens beim starten aufgewacht ist, das MacBook erkennt und einfach startet (und defakto sonst nur im Standby ist), geht das bei der Anker nicht.
Es scheint, dass die Anker häufig Probleme hat, das Notebook korrekt zu erkennen, denn es wird immer wieder angezeigt, dass kein DisplayLink fähiges Gerät verbunden ist (hier ein MacBook Pro M4 oder Air M4). Da es mit mehreren Geräten nicht funktioniert, gehe ich hier von einem Anker Problem aus.
Auf Nachfrage konnte ich bis dato keine hilfreiche Antwort erhalten.

Anker Prime Dock with Error Message "DisplayLink Driver not detected or outdated"
Anker Prime Dock with Error Message "DisplayLink Driver not detected or outdated"

Das nervt morgentlich schon ein wenig, aber man kann Abhilfe schaffen indem man das Dock einmal neustartet. Entweder per langem Druck auf das Rad an der Seite oder per Stecker raus und wieder rein.

Auch nervig ist, dass einige Geräte an den USB Anschlüssen nicht ordentlich laden. Als Beispiel mein IPhone 16 Pro.
Wenn ich mein Handy an den Anschlüssen lade, kommt es manchmal alle paar Sekunden zum "Neustart". Dann wird jedes mal auf neue die Ladeanimation am Dock gezeigt und mein Handy wird ebenfalls wieder Hell und zeigt die Ladeanimation.
Ich kann nicht nachvollziehen wie das kommt, denn manchmal gehts und manchmal nicht. Es scheint aber eher nur USB Geräte zu betreffen, die als PC Zubehör genutzt werden können. Powerbanks, Gimbals, AirPods etc. waren bis dato nicht betroffen.
Für den Preis der Dockingstation aber trotzdem eine Info die man kennen sollte.

Zuletzt der Lüfter. In den meisten Reviews die ich gelesen habe, steht das man den gar nicht hört. Das kann ich nicht unterschreiben. Wenn man den Dock in einem Großraum Büro testet, mag das vielleicht sein, aber ein leichtes Surren hört man alle mal.
Es ist nicht sonderlich störend oder sonstwas, aber das man den Lüfter gar nicht hören kann, ist schlichtweg falsch.

Mein Fazit / Was würde ich kaufen?

Wer die Möglichkeit hat DisplayLink zu vermeiden, sollte dies dringend tun. Auch wenn das Anker Prime an sich funktioniert, ist die Technik einfach nicht mehr Zeitgemäß, die Probleme sind für den Preis trotzdem nervig, aber es gibt nichts besseres für ein MacBook, wenn man 3 externe Monitore betreiben will.

Die WAVLINK Dockingstation kann man schlichtweg vergessen.
Sofern man weniger als 3 Monitore benötigt, sollte man überlegen die nativen Möglichkeiten von Apple zu nutzen. Windowsnutzer sollten dieses Ding ohnehin nicht kaufen - besser ein neues Notebook mit Thunderbolt 4 oder neuer!

Wer im Apple Ökosystem ist oder wieso auch immer ein DisplayLink unbedingt benötigt, sollte auf das Anker Prime gehen, sofern 3 Monitore benötigt werden. Es ist LEIDER das beste was man im Kontext der Zuverlässigkeit erhalten kann.

Ich werde das Anker Dock daher weiter verwenden und abwarten bis ich entweder ein neues MacBook kaufe, welches nativ 3 externe Monitore unterstützt - ggf. wird der Apple M6 Chip nativ 3 externe Displays unterstützen oder vielleicht versuche ich erneut die Linuxwelt, nachdem das Experiment in 2025 nicht funktioniert hat erneut.